„Mach et, Otze“ 2.0

Kolumne von Peter Kroh

Der FC Bayern München ist derzeit stark, aber schlagbar. Das hat der überraschende Erfolg des FSV Mainz 05 vergangenen Mittwoch bewiesen. Um so erstaunlicher ist es, dass es nun offenbar in Mode gekommen ist, sich vor den Spielen gegen den Rekordmeister absichtlich eine Gelbsperre einzuhandeln.

Der Fußballer Frank Ordenewitz wäre heute wohl nur noch wenigen Fans ein Begriff, wenn er nicht 1991 ein Teil deutscher Sport-Justiz-Historie geworden wäre. Im Mai des selben Jahres trat er mit seinem FC Köln im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den MSV Duisburg an. Nach einer gelben Karte wäre Ordenewitz eigentlich für das große Finale gesperrt gewesen, schließlich besiegte der „Effzeh“ den MSV mit 3:0. Doch Trainerfuchs Erich Rutemöller brachte ihn auf den tollkühnen Plan, sich die Gelb-Rote Karte einzuhandeln. Nach den damaligen Regularien hätte „Otze“, so der Spitzname von Ordenewitz, die daraus resultierende Sperre einfach in einem Ligaspiel absitzen können und wäre im Finale spielberechtigt. So geschah es dann auch und Ordenewitzt sah für mutwilliges Ballwegschlagen die Ampelkarte.

Soweit so clever. Dumm nur, das Trainer Rutemöller seinen genialen Plan kurz nach Spielende vor den Reportern ausplauderte: „Otze kam zu mir, und ich finde, man sollte ihm die Chance nicht nehmen, und da hab ich gesagt: ‚Mach et!‘“ Daraus leiteten Fans und Journalisten den legendären Satz: „Mach et, Otze“ ab. Ordenewitz wurde für das Finale trotzdem gesperrt und Rutemöller mit einer Geldstrafe belangt.

Knapp 25 Jahre nach „Otze“ und Rutemöller, wird diese Vorgehensweise von einigen Trainern und Spielern in ähnlicher Form praktiziert. Erst vor wenigen Wochen holten sich mit Jérôme Gondorf, Aytac Sulu, Marcel Heller, Peter Niemeyer und Konstantin Rausch gleich fünf Spieler des SV Darmstadt 98 eine Gelbsperre ab, bevor für sie in der kommenden Woche die Reise zum FC Bayern München angestanden hätte. Die Darmstädter zogen sich mit dem 1:3 immerhin noch achtbar aus der Affäre, doch jedem Fußball-Fan war klar, dass die „Lilien“ das Spiel einfach abgeschenkt hatten, bevor es überhaupt begonnen hatte.

Am jetzigen Spieltag wiederholte sich Selbiges beim SV Werder Bremen. Diesmal handelten sich Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz die Gelbsperren ein. Fritz umschiffte die Fragen noch mit den Worten, die Karte sei: „Sicherlich vermeidbar, aber ich denke, wir haben noch einige Spiele vor uns, gegen Mannschaften, gegen die es vielleicht ein bisschen knapper werden könnte”. Doch sein Kollege Junuzovic gab seine Gründe ganz offen zu: Es war abgesprochen, das gebe ich zu.“

Nun hat der DFB Kontrollausschuss Ermittlungen gegen beide Werder-Profis angekündigt. Im Sinne der Sportlichkeit, kann man nur hoffen, dass beide Spieler auch über die Partie in München hinaus gesperrt werden. Der DFB sollte an ihnen ein Exempel statuieren. Warum? Weil Vereine wie Borussia Dortmund einen erheblichen Nachteil daraus beziehen, wenn nun jede Mannschaft mit dieser Einstellung gegen die Bayern antritt. Da hilft es auch nichts, dass Fritz und Junuzovic sich die gelben Karten mit harmlosen Regelverstößen (Trikotzupfen und Zeitspiel) abgeholt haben. Einige Experten fordern die Ehrlichkeit Junuzovics zu honorieren und ihn deshalb nicht zu sperren. Aber wird ein Betrüger freigesprochen, weil er den Betrug vor Gericht zugibt? Im Sinne des Fußballs wäre es, wenn sich Trainer und Spieler diese Unsitte zügig wieder abgewöhnen würden. Dann könnte die Bundesliga auch wieder, wie von so vielen gefordert, mit einem spannenderen Kampf um die Deutsche Meisterschaft glänzen.

This article has 3 Comments

  1. Da stimme ich definitiv zu. Aber es dürfte schwierig werden, den Darmstädter Spielern den Vorsatz nachzuweisen. Junuzovic und Fritz haben sich da eben verplappert.

  2. Ich stimme all deinen Ausführungen zu Peter. Außerdem war mir diese Geschichte noch unbekannt, weshalb ich sie interessant zu lesen fand. Nur eine Sache stört mich daran. Ich fände es doch unfair, wenn die Bremer jetzt bestraft werden und die Darmstädter nicht. Das ist aber auch das Einzige, was daran störend ist. Generell bin ich schon für ein Durchgreifen des DFB, damit da nichts einreißt. Gruß, Mary

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